Warum ich Ausdrucksmalen liebe

Yvonne vor der Malwand im Atelier

Ich liebe Ausdrucksmalen! Es bedeutet für mich Freude an der eigenen Kreativität und Schaffenskraft und läßt mich bei mir selbst ankommen.

Seit 2011 gebe ich als Malbegleiterin Kurse, Workshops und Seminare rund ums Ausdrucksmalen. Ich begleite Malprozesse in meinem Atelier , bin mit  meinen mobilen Staffeleien auf Tour und kann nicht genug davon bekommen. Zusätzlich unterstütze ich seit 2017  Michael Podszun als Assistentin bei der Ausbildung zur Ausdrucksmalbegleitung.
Ich habe unfassbar viele Ideen, was ich mit dem Ausdrucksmalen alles noch erleben will. Jeder Mensch, jeder Prozess und jedes Bild sind so einzigartig  und bieten eine Fülle an Inspiration, für die ich von Herzen dankbar bin. 

Blick in den Malraum zum Ausdrucksmalen
Blick in den Malraum zum Ausdrucksmalen

Ich stehe im Malraum und spüre:
hier bin ich ICH und kann einfach da sein.

Es ist ok, wie ich bin und wie es mir gerade geht. Ich sehe die Malspuren an der Wand und kann die Farben riechen. Ich hole mir ein großes Blatt und hefte es an die Malwand. Dann drehe ich mich um und lasse meinen Blick über die Farborgel schweifen. Wie geht es mir? Womit möchte ich heute anfangen?
Ich bin noch unschlüssig und noch nicht ganz im Malraum angekommen. Der Alltag, die ganzen Aufgaben und Diskussionen hängen noch an mir. Ich spüre, wie müde ich bin und frage mich, ob ich wohl noch die Kraft zum Malen habe. Doch dann schüttele ich den Gedanken ab. Schließlich ist es meine persönliche Malzeit, und ich habe mich die ganzen Tage schon darauf gefreut! Ich schöpfe mir Tapetenleim in eine Schüssel und fange an, das weisse Blatt mit den Händen einzustreichen. Ich merke, wie ich ankomme und langsam entspanne. Dann kommt plötzlich die Lust auf Farbe, und ich fange an, mit bunten Händen über das Papier zu tanzen. Der Kopf schaltet sich aus, und ich bin ganz im Malprozess.

Farborgel
Farborgel

Meine Malbegleiterin stellt sich neben mich und fragt, wie es mir geht. Ich reflektiere meinen Malprozess und fühle mich in meinem Tun unterstützt. Ich begebe mich in eine neue Malrunde, halte nach einiger Zeit inne und spüre, das Bild ist fertig. Es ist so, wie es ist. Ich staune, was sich alles zeigt und schließe das Bild gemeinsam mit meiner Malbegleiterin ab.

Ich bin dankbar, was ich heute wieder erfahren durfte und empfinde es als ein großes Geschenk, dass sich in den Bildern, Antworten auf meine Fragen zeigen. Ich bin voller neuer Energie und meine Erschöpfung vom Anfang der Malsession ist nicht mehr spürbar.

Mein Bild nach meinem Malprozess
Mein Bild nach meinem Malprozess

Es ist, was es ist

Was hier im Malraum an der Malwand passiert, ist frei von Bewertungen. Das ist etwas, was wir in unserer Leistungsgesellschaft nicht kennen und dem wir keinen besonderen Wert zuordnen können. Wenn etwas bewertungsfrei ist, wie kann ich dann sagen, welchen Wert es für mich hat? Ist es gut? Ist es schlecht? Gefällt es mir? Gefällt es jemand anderem? Das ist für mich eine der schwersten Übungen im Malraum. Das was im Malprozess erscheint, wohlwollend da sein zu lassen und anzunehmen.

Wenn ich das schaffe, dann nehme ich automatisch mich an. Das bedeutet wiederum: ich bin ok so wie ich bin. Wow, was für ein starker Satz. Das ist etwas, das ich kaum glauben kann. Da kommen alte Glaubenssätze hoch, dass ich etwas gut machen muss, sehr gut machen muss, um Anerkennung zu bekommen und ok zu sein. Ich spüre die Ambivalenz in mir. Ich weiss, dass ich die Glaubenssätze von damals nicht mehr brauche, dass sie nicht mehr hilfreich sind. Doch sie sind wie Autobahnen für meine Gedanken und leicht und schnell zu befahren.

Will ich neue und unterstützende Lebensformeln  für mich entwickeln, dann begebe ich mich mit einer Machete in den Dschungel und wenn ich oft genug daran arbeite, dann wird aus dem geschlagenen Weg vielleicht ein Trampelpfad, den ich dann häufiger einschlagen kann. Es ist ein langer und teilweise auch beschwerlicher Weg in Richtung Selbstliebe und Selbstmitgefühl.

Ich male in die Lösung hinein

Das Ausdrucksmalen hilft mir, meine inneren Prozesse zu verstehen und meine ganz persönlichen Fragen zu beantworten. Die Antworten finden sich auf dem Papier und sind oft überraschend. Denn nicht der Kopf, sondern der ganze Körper, das Herz und die Seele arbeiten meine Lösung heraus. Dafür muss ich gar nicht so viel tun. Ich bin offen, spiele mit den Farben, höre au meine innere Stimme und lasse mich überraschen. Ich entspanne und höre auf, etwas zu wollen. Ich lasse mich auf den Malprozess ein und lasse los.

Das alles ist leichter gesagt als getan. Manchmal gelingt es besser und manchmal weniger. Das Schöne daran ist, dass ich immer wieder neu anfangen kann. Mit jedem Bild tauche ich in einen neuen gegenwärtigen Moment ein, spüre die Energie und bin einfach da, so wie ich bin.
Wenn das alles so gelingt, dann bin ich im Flow. Selbstfürsorge, Selbstmitgefühl, Selbstliebe sind dann etwas so Selbstverständliches, dass ich mich frage, wie ich jemals daran zweifeln konnte.

Das Malen schenkt mir Leichtigkeit und Zuversicht. Ich spüre eine innere Freiheit und kann die äußeren Abhängigkeiten vor der Malraumtüre lassen. Raus aus der Ohnmacht – rein in die Selbstermächtigung. Ich sehe klarer und erkenne meine Entscheidungsfreiheit. Ich kann so viel über mich selbst erfahren, meine Bedürfnisse wahrnehmen und meine Wünsche ausdrücken. Dann erlebe ich die Ausdrucksmalbilder als Energiespender und Ressourcenträger.

Malen vom Garten
Malen vom Garten

Malbegleitung

Wenn ich im Flow bin, mit Farben und Formen spiele und unbeschwert sein kann, entstehen Bilder, die ich gerne annehme und die ich mag. Oft genug stehe ich aber vor meinem Bild an der Malwand und bin total unglücklich und unzufrieden. Ich weiss nicht mehr weiter, und das Thema zieht mich einfach nur runter. Ich stecke fest, komme nicht weiter. Ich will so unbedingt eine Lösung, und ich will, dass diese schweren und schmerzhaften Gefühle endlich weggehen. Aber es tut sich nichts.

In diesen Momenten ist es gut, eine Malbegleitung zu haben. Ein Mensch, der ein Stück meines Malprozesses begleitet – ein Stück des Weges mit mir geht und mir zu neuen Sichtweisen verhilft und dunkle Ecken ausleuchtet. Dann kommt der Malprozess wieder in Gang, und ich fühle mich gut aufgehoben, und weiß, ich bin nicht allein, und ich muss das nicht alleine schaffen. Da ist jemand, der mich empathisch begleitet, mir zuhört und mir hilft, meine Lösungen zu finden. 

Ausdrucksmalbilder sind Geschenke

Und zwar alle! Ausnahmslos! Manchmal weiß ich es in dem Moment einfach noch nicht, weil das Bild mir nicht gefällt und ich nichts mit ihm anfangen kann. Das passiert zum Beispiel dann, wenn ich etwas Bestimmtes will und nicht akzeptieren kann, dass es so eben nicht geht. Dann ist das Malen schwierig, und das Bild wird immer chaotischer und “matschiger”.  Dann sagt mir mein Empfinden, es ist nicht schön! Nicht ästhetisch! So will ich es nicht!

Tja, aber es ist so, wie es ist; und sobald ich diese innere Türe in mir aufmache, passiert etwas Erstaunliches: ich werde ruhiger, und das Bild ist gar nicht mehr so schlimm. Und selbst wenn mir das Bild an sich nicht gefällt, so ist die Akzeptanz dessen, ein unglaublich großer Schritt in Richtung Selbstakzeptanz. Ich akzeptiere mich dafür, dass ich etwas gemacht habe, was meiner Erwartung nicht entspricht. 

Ich nehme das Bild an und nehme damit automatisch mich an. Wenn ich noch weiter gehen kann, dann befreie ich mich von bewertenden Gedanken. Ich lasse zu, dass es so ist, wie es ist und kann dann den nächsten Schritt in Richtung Loslassen gehen. Das ist ein wunderbar starker innerer Prozess, der sich über das Ausdrucksmalen entwickeln kann. Wenn das geschieht, dann bin ich sehr dankbar und erkenne das Geschenk im Bild. Ich bin mir selbst wieder ein Stückchen näher gekommen in Liebe und Akzeptanz.

 Ausdrucksmalen selbst erfahren

Ich weiss nicht, ob es mir gut gelungen ist, das, was ich am Ausdrucksmalen so liebe, so zu beschreiben, dass die Energie und die Freude spürbar werden. Eigentlich muss es live erlebt werden. Jede und jeder einzelne “MUSS” es für sich ausprobieren und seine eigenen Erfahrungen sammeln. Denn mit jedem Menschen, der das Ausdrucksmalen für sich entdeckt, kommt etwas Neues dazu, etwas ganz Individuelles, was das Ausdrucksmalen erweitert und bereichert.

Nach einer Ausdrucksmalsession
Nach einer Ausdrucksmalsession

Ausdrucksmalen in pandemischen Zuständen

Das Ausdrucksmalen mit anderen fehlt mir. Ich kann zwar mein Atelier für mich nutzen und malen gehen, aber es ist etwas anderes als mit anderen in den Malprozess zu gehen. Es fehlen die Energien und Inspirationen, die aus der Begegnung mit anderen heraus entstehen. Eine richtig gute Lösung, wie das Malen in der Gruppe im Atelier stattfinden kann, fehlt mir noch. Sobald es wärmer wird, werde ich die Staffeleien im Freien aufstellen. Darauf freue ich mich schon, aber irgendwie ist mir das immer noch zu wenig. 

Malsession mit Kindern
Malsession mit Kindern

Und ich habe eine Idee: Etwas, wo ich die Menschen dazu inspiriere, zu malen und sich dabei etwas Gutes zu tun. So entsteht gerade mein erster kostenloser Onlinekurs MORGENMALEN.

Dazu erfährst du in der nächsten Woche mehr. Wenn Du über mein kreatives Schaffen informiert bleiben möchtest, dann melde Dich gerne zu meinem kostenfreien Newsletter an. (Eine Abmeldung ist jederzeit möglich).

Bunte Grüße und eine farbenfrohe Woche,

Yvonne