Das Märchen vom verwunschenen Farbklecks

Es war einmal ein Gemälde, das war so wunderbar bunt und schön, dass alle, die es ansahen, lächeln mussten und gute Laune bekamen.

Die Welt war an diesen Tagen an vielen Orten trist und grau, und die Menschen waren traurig. Und so kam es, dass sich die Nachricht von dem Gemälde, das gute Laune machte, schnell verbreitete und sich immer mehr Menschen auf den Weg zu ihm machten, um wieder fröhlich zu werden.

Das gefiel dem grauen Zauberer, der sich sehr damit beschäftigte, die Welt öd und farblos werden zu lassen, um den Menschen seine teuren Alles-ist-gut-Tränke zu verkaufen, überhaupt nicht. Er überlegte lange, wie er das Gemälde vernichten könnte und plötzlich kam ihm eine grausame Idee, und er grinste finster …
Er zog er seinen Zauberstab und verwünschte das Gemälde so, dass es als Farbklecks auf den Boden fiel und an der Wand ein weißes Stück Papier zurückblieb.

Da war die Verzweiflung bei den Menschen groß und keiner wusste, wie aus diesem Farbklecks das alte Gemälde wieder hergestellt werden sollte. Es wurden die besten Restauratoren, berühmtesten Künstler und Zauberer des Landes gerufen, doch keiner schaffte es, das Gemälde wieder in seinen ursprünglichen Zustand zu bringen.

So gaben die Menschen schließlich die Hoffnung auf und vergaßen mit der Zeit das Gemälde, da sie von einem Zauberer gehört hatten, der Tränke gegen Traurigkeit verkaufte …

Und der Farbklecks blieb auf dem Boden liegen.

Bis an einem sonnigen Frühlingstag ein Kind an dem Farbklecks vorbei spazierte. Es schaute ihn neugierig an, hob ihn mit den Fingern auf, lachte und tupfte ihn behutsam aufs Papier. Und so entstand im kindlichen Spiel ein ganz neues Bild. Das zarte Lachen des Kindes war überall zu hören, und die Leute liefen herbei, um zu sehen, was hier so viel Freude verbreitete. Sie staunten und freuten sich, als sie das neue Bild sahen.
Sie tauchten ihre Finger in den Farbklecks und ließen ihre eigenen Bilder entstehen und waren glücklich und erfüllt. Die Traurigkeit wich der Freude, und die Menschen vergaßen die Tränke des Zauberers und erlagen ihrem eigenen innewohnenden Zauber … der Freude an ihrer eigenen Kreativität. 

Und wenn sie es nicht vergessen haben, dann malen sie noch heute.

Wer dieses oder ähnliche Märchen von verwunschenen Farbklecksen selbst erfahren möchte, ist herzlich zum Ausdrucksmalen am Samstag, den 11.01.20, 11-13 Uhr eingeladen.